Das Millionengeschäft mit der Bärengalle

Jan 21, 2008

Während der vergangenen Jahre hat unsere Arbeit gegen die grausame Haltung von Bären einiges bewirkt: Über 35 Zentren für asiatische Medizin in über fünf Ländern haben eine Vereinbarung gegen die Verwendung von Bärengalle unterzeichnet. In Korea wurden 50.000 Unterschriften gesammelt um ein Verbot der Bärenindustrie zu erreichen. In Vietnam wird es bald keine Bärenfarmen mehr geben.

Die internationalen Artenschutzgesetze versagen bei der Kontrolle des illegalen Millionengeschäfts mit Bärenteilen und Bärenprodukten. Bären in der ganzen Welt werden durch diesen verbotenen Handel bedroht. Große Nachfrage nach Bärenprodukten besteht vor allem bei Anhängern der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM), die in den Bärengallenprodukten ein Allheilmittel sehen.

In meist verdeckter Mission fanden die Rechercheure zum Verkauf angebotene Bärenprodukte in über 70% der besuchten Shops für traditionelle Medizin in Japan, Malaysia, Singapur und den U.S.A., dicht gefolgt von Kanada (68%), Indonesien (62%), Australien (49%) und Taiwan (30%). Andere Länder, die in den verbotenen Handel mit Bärenprodukten verwickelt sind, sind die Philippinen, Korea, Hongkong, Russland, Indien, Pakistan und Vietnam.

Chinas Bärenfarmen

Bär mit extrahierter Gallenwunde im Käfig

Asiatische Bärenfarmen spielen die Hauptrolle im illegalen Handel. Mehr als 7.000 Bären werden in über 200 Farmen unter kaum vorstellbaren Bedingungen gehalten. Mehrmals täglich zapft man ihnen aus einer offenen Wunde den Gallensaft ab, was für die Bären mit Schmerzen und Leiden verbunden ist. Einige Bären schlagen immer wieder den Kopf an die Gitterstäbe oder beißen heftig auf ihren Pfoten herum, als Folge der katastrophalen Haltungsbedingungen in den kleinen Metallkäfigen, in denen sie häufig noch nicht einmal aufrecht stehen können.

Die Sterberate auf den chinesischen Bärenfarmen ist hoch. Berichten zufolge verenden 50 bis 60 Prozent der Tiere kurz nach der Operation, die häufig von ungeschulten Farmarbeitern durchgeführt wird.

Die Lebenserwartung der Bären, die den brutalen Eingriff überstehen, liegt mit höchstens zehn Jahren deutlich unter der ihrer Artgenossen in freier Natur. Zweimal täglich wird ihnen Gallensaft über das chirurgisch eingesetzte Röhrchen abgezapft. „Da die Wunde nie verheilt, ist sie häufig infiziert und verursacht dem Bären heftige Schmerzen,” sagt Dave Eastham. Produziert ein Bär nach einigen Jahren keinen Gallensaft mehr, lässt man ihn einfach sterben oder tötet ihn, um Gallenblase und Tatzen zu verkaufen, die in China als Delikatesse begehrt sind.

Handel mit Bärengalle ist unzulässig

Die Handelsspanne bei Bärengalle ist enorm. Auf dem internationalen Markt kostet ein Gramm Bärengalle um die 15 bis 20 Euro. Die chinesischen Bärenfarmen verkaufen das Gramm für umgerechnet 24 Cent an die Zwischenhändler. Der höchste Preis wurde in Japan gefunden, wo ein Gramm Galle 252 Euro kostete. Selbst wenn man sehr vorsichtig schätzt, beträgt der Wert der jährlichen Bärengalleproduktion in China um die 100 Mio. Euro.

Man schätzt dass zur Zeit in China jährlich etwa 7.000 Kilogramm Bärengalle produziert werden, wovon bisher nur 4.000 Kilogramm im Land selbst verbraucht werden. Als Folge dieser Überproduktion ist die Anzahl der Bärengalle-Produkte in den letzten Jahren dramatisch angestiegen. Zu kaufen gibt es mittlerweile neben Salben, Pulvern und Tabletten ebenso Bärengalle-Shampoos oder Bärengalle-Weine – neue Kunstprodukte, die nichts mehr mit der Traditionellen Chinesischen Medizin zu tun haben und für die ein enormer Werbe- und Marketingaufwand betrieben wird.

Erste Erfolge mit dem von der WSPA mitentwickelten Kontrollstäbchen

Handel mit Gallensaft wilder Bären, Singapur

Der illegale Handel verstößt gegen das Washingtoner Artenschutzabkommen. Die WSPA fordert die Vertragsstaaten auf, größere Anstrengungen für den Schutz der weltweiten Bärenpopulationen zu unternehmen. Hierzu gehören vor allem bessere und strengere Kontrollen des internationalen Tierhandels.

Ein erster Erfolg ist das Kontrollstäbchen, dass von der WSPA mitentwickelt wurde. Wie bei einem Schwangerschaftstest kann heute relativ einfach Bärengalle bei Produkten nachgewiesen werden.
Victor Watkins, Direktor der Bärenkampagne, erklärt: „Unsere Recherchen zeigen in erschreckender Weise, dass durch den illegalen Handel quasi ein Kopfgeld auf jeden lebenden Bären ausgesetzt ist. Es sind große Anstrengungen notwendig, den verbotenen Handel zu stoppen und die Bärenfarmen zu schließen.“

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