Jun 10, 2009

Schätzungsweise 400 Millionen Hunde leben weltweit auf der Straße. Die gute Nachricht: Die World Organisation for Animal Health (OIE) hat neue Richtlinien zur Kontrolle der frei lebenden Hundepopulationen eingeführt. Darin fordert sie alle 174 Mitgliedsstaaten dringend dazu auf, ausschließlich humane Methoden zu verwenden.
Die WSPA begrüßt diesen Schritt. Zur "Handhabung" der streunenden Tiere werden oft grausame Tötungsmethoden, wie das Vergiften oder Erschießungen der Tiere, eingesetzt. Dabei wird weder der Ausbreitung von Tollwut entgegengewirkt, noch wird effektiv auf einen langfristigen Geburtenrückgang hingearbeitet. Die neuen Richtlinien, die nun von der Working Group on Animal Welfare vorgeschlagen wurden (Mitglied ist unter anderen WSPA-Mitarbeiter David Wilkins), entsprechen inhaltlich den Leitlinien unserer weltweiten Programme zum Schutz von Haustieren.
Erfahren Sie mehr über unser Streuner-Projekt in Sierra Leone >>
Die Richtlinien sind ein wichtiger Schritt für den einfühlsamen Umgang mit streunenden Hunden – nicht zuletzt, weil die OIE in 174 Ländern Tiermediziner berät. Dr. Elly Hiby (WSPA-Mitarbeiterin) hat als Mitglied der Expertengruppe die neuen Richtlinien entwickelt. Sie erklärt, warum diese so erfolgversprechend sind: „Geburtenkontrolle ist üblicherweise Aufgabe der Tierärzte. Sie wird auf regionaler oder staatlicher Ebene geregelt. Das OIE-Mandat zur Beratung entsprechender Entscheidungsträger in den Regierungen ist eine sichere Grundlage dafür, dass die neuen Richtlinien international großen Einfluss haben."
Obwohl die Richtlinien rechtlich nicht verbindlich sind, erwartet die OIE, dass die Mitgliedsstaaten sich dafür einsetzen werden, neue Standards zu setzen, wie ihr Präsident Barry O’Neil bekräftigte.
David Bayvel, Vorsitzender der Working Group on Animal Welfare, betonte die entscheidende Rolle der Tiermediziner bei der Umsetzung der neuen Richtlinien. Er rief dazu auf, dass die Arbeit der Tierärzte „ein Teil der Lösung“ werden müsse.

Obwohl die WSPA die neuen Richtlinien begrüßt, gibt es auch einen Grund zur Kritik. Wichtige Leitlinien zur Geburtenkontrolle, die 2008 von der International Companion Animal Management (ICAM) Coalition ausgearbeitet wurden, werden in diesen Richtlinien nicht berücksichtigt.
Sowohl die ICAM als auch die OIE empfehlen humane Kontrollmethoden freilebender Hunde und wählen einen Weg der Verbesserung, der direkt bei den Hundebesitzern ansetzt. Dennoch stellt die ICAM in ihrem Dokument insgesamt einen weitreichenderen, nutzerfreundlicheren Ansatz vor: Indem sie die gesamte Hundepopulation – sowohl Hunde mit als auch Hunde ohne ein Zuhause – mit in ihr umfassendes Programm einbezieht, kann auch die Ursache für das Streunen der Hunde angegangen werden. Langfristig heißt dies, dass sich die Zahl der Hunde verringert und ihre Gesundheit verbessert werden kann.
Die OIE-Richtlinien sind ein vielversprechender Start für eine erneute Diskussion über die Lebensbedingungen streunender Hunde. Singapur hat bei der letzten OIE Generalversammlung beantragt, Erschießungen als humane Geburtenkontrollmethode einzustufen – ein deutliches Zeichen dafür, dass noch viel zu tun ist, bevor frei lebende Hunde wirklich sicher vor Gewalt sind.
„Die WSPA gehört zu den Experten im Bereich der humanen Geburtenkontrolle, weshalb sie eine bedeutende Rolle bei der Verbesserung der Situation innehaben wird. Die Annahme der OIE-Richtlinien kann der Beginn eines evolutionären Prozesses sein. Es gibt immer noch Raum für Verbesserungen – wir freuen uns darauf, mit der OIE und den Mitgliedsstaaten zusammenzuarbeiten, um in den nächsten Jahren weiter an dem Programm zu arbeiten,“ sagte Dr. Elly Hiby von der WSPA.
Die ICAM Coalition wurde 2006 gegründet. Sie setzt sich aus Vertretern der WSPA, HIS, IFAW, RSPCA International, der World Small Animal Veterinary Association und der Alliance for Rabies Control zusammen. Auf Grundlage des World Health Organisation/WSPA-document von 1990 veröffentlichte sie 2008 eine überarbeitete Liste von Richtlinien, die Humane Dog Population Management Guidance.