Dec 3, 2010

Obwohl das Produkt seit 1994 offiziell verboten ist, gaben in einer Umfrage unter Einwohnern der nordvietnamesischen Hauptstadt Hanoi schockierende 22,5 Prozent der Befragten an, in den letzten zwei Jahren Bärengalle verwendet zu haben. Dies deckt ein veröffentlichter Bericht der vietnamesischen WSPA-Partnerorganisation Education for Nature-Vietnam (ENV) auf.
Bärengalle ist nach wie vor in Vietnam weit verbreitet. Etwa 3600 Bären werden hier unter grausamen Bedingungen in Bärenfarmen gehalten, welche bereits seit 2005 gesetzlich verboten sind. Die Gallenflüssigkeit wird regelmäßig mithilfe von Röhrchen entnommen, welche den Bären zuvor in die Gallenblase eingepflanzt wurden. Eine Prozedur, die den Bären qualvolle Schmerzen verursacht. Bärengalle wird vor allem in der traditionellen Medizin und zu Unterhaltungszwecken eingesetzt.
Der ENV-Bericht deckt auf, dass Bärengalle in den südlichen und zentralen Landesteilen weniger Verwendung findet, weil die Menschen dort vermehrt auf alternative Heilmittel zurückgreifen, von welchen die Bären nicht betroffen sind.
Chris Gee, Leiter des Wildlife-Programms der WSPA, dazu: „Es ist enttäuschend, dass die Verwendung von Bärengalle in Vietnam noch immer weit verbreitet ist, obwohl es Alternativen und ein gesetzliches Verbot gibt; Wenn das Produkt weiterhin verwendet wird, dann werden auch die 3600 Bären weiterhin unter grausamen Qualen leiden.“
„Es zeigt sich aber auch, dass in ganz Vietnam viele Menschen bereits auf pflanzliche Alternativen umgestiegen sind. Die Regierung muss das illegale Geschäft stoppen und mehr für die Verwendung pflanzlicher Alternativen werben.“
Der von der WSPA finanzierte Bericht basiert auf den detaillierten Aussagen von mehr als 3.000 Vietnamesen, die zum Bärengallekonsum interviewt wurden. Von den Befragten gaben 53 Prozent an, Bärengalle nicht mehr zu benutzen, weil sie das Produkt als wirkungslos empfanden. Dieser Prozentsatz liegt deutlich höher, als der Anteil derjenigen, welche Bärengalle aus anderen Gründen, wie des hohen Preises (18%) oder der Illegalität (7%), nicht mehr verwendeten.
Die Daten der Umfrage wurden von Vu Thi Quyen ausgewertet, der 2005 vom TIME Magazine als Öko-Held Asiens gefeiert worden war. Er analysierte die Verwendung von Bärengalle auch in Abhängigkeit zur geografischen Lage. Dabei stellte Quyen fest, dass der Bärengallekonsum in den süd- und zentralvietnamesischen Großstädten, wo vermehrt Alternativheilmittel eingesetzt werden, weit weniger verbreitet ist. Der Anteil der Konsumenten gemessen an der Gesamtbevölkerung ist dabei in beiden Regionen um 50 Prozent niedriger als im Norden.
Der Bericht deckt außerdem auf, dass 13,2 Prozent aller befragten Vietnamesen Bärengalle verwenden oder in den letzten zwei Jahren trotz des gesetzlichen Verbotes von 1994 verwendet haben. Es stellte sich heraus, dass dieses Verbot dem überwiegenden Teil der Bevölkerung (74 Prozent der Befragten) gar nicht bekannt ist.

„Um den Bärenfarmen ein Ende zu bereiten, ist es notwendig, dass Vietnam sowohl die Angebots- als auch die Nachfrageseite anspricht. Das heißt konkret, dass einerseits die Nachfrage reduziert und andererseits der illegale Handel mit Bären gestoppt werden muss. Um die Nachfrage nach Bärengalle zu reduzieren, müssen wir den traditionellen Glauben ausmerzen, das Mittel könne als eine Art Wundermedizin viele Leiden heilen“, so Quyen.
„Um die illegale Jagd auf Bären und den Handel zu stoppen, muss die Regierung strengere Gesetze schaffen und diese auch durchsetzen. Sie muss Bestimmtheit demonstrieren und im Sinne der Abschreckung gegen Verbrechen an Bären vorgehen.“
„Bärenbesitzer und Unternehmen, die Bärengalle und andere Bärenprodukte gewinnen und verkaufen, müssten hart bestraft werden. Außerdem muss die Regierung sicherstellen, dass keine neuen Bären aus der Wildnis in die Bärenfarmen geraten.“
Bärengalle wird in der traditionellen Medizin eingesetzt, um Fieber zu senken, die Leber zu schützen, die Sehfähigkeit zu verbessern, Gallensteine aufzulösen und Entzündungen zu bekämpfen.
Umfragen der WSPA und anderer Organisationen unter praktizierenden Anhängern traditioneller Medizin weltweit haben jedoch ergeben, dass es mehr als 50 pflanzliche und zusätzlich auch noch synthetisch hergestellte Alternativen zur Bärengalle als Heilmittel gibt.