Nov 9, 2010

Die WSPA feiert die Aufnahme des Tierschutzes in den neuen ISO-Standard 26000 als einen historischen ersten Schritt.
Die neue Richtlinie der Internationalen Organisation für die Standardisierung (ISO), genannt ISO 26000 – Gesellschaftliche Verantwortung, wird international als Standard gesellschaftlicher Verantwortung akzeptiert und soll als Leitfaden für Organisationen des öffentlichen, privaten und des dritten Sektors gelten. Die Aufnahme des Tierschutzes in den neuen Standard wird dazu beitragen, dass viele Organisationen und Unternehmen die Bedeutung des Tierschutzes anerkennen, da sie eine Zertifizierung gemäß dem Standard anstreben.
Dirk-Jan Verdonk, Programm-Direktor WSPA Niederlande, sagt: „Dies ist zweifelsohne ein Meilenstein, da jetzt eindeutig festgeschrieben ist, dass Tierschutz uns alle angeht. Alles, was wir tun, hat in vielfältiger Art und Weise Auswirkung auf Tiere. Wir sind dafür verantwortlich sicherzustellen, dass das Wohlergehen von Tieren respektiert wird; sei es als Unternehmen, als Schule, Gemeindeverwaltung, Kirche, Universität, Ministerium oder in welch beliebiger Form wir uns auch organisieren.“

Obwohl die Einhaltung der ISO-Standards freiwillig geschieht, sind sie doch stark als Zertifizierungs-Standards bei den Organisationen gefragt. Die Standards legen fest, wie sich Organisationen zu verhalten haben, um als sozial verantwortlich anerkannt zu werden. Unternehmen und Organisationen, die die Empfehlungen gemäß ISO 26000 einhalten, werden in der Öffentlichkeit positiv wahrgenommen, da sie Tierschutzaspekte bei all ihren Aktivitäten berücksichtigen.
Insbesondere verlangt der kürzlich veröffentlichte Leitfaden, dass „das Wohl der Tiere respektiert werden muss, wenn deren Leben und ihre Existenz durch Menschen beeinflusst werden“. Das beinhaltet u.a., dass angemessene Bedingungen bei der Haltung, Zucht, dem Transport oder sonstiger Nutzung von Tieren gewährleistet werden müssen.
In mehreren Kapiteln wird zudem ausdrücklich daraufhin gewiesen, dass sowohl auf das physische als auch auf das psychische Wohlergehen von Tieren zu achten ist, auch wenn hierzu kein umweltrelevanter Bezug gegeben ist. Der Tierschutz wurde zudem in zahlreiche Vorgaben integriert, die das ethische Verhalten, Verbraucherfragen, Aufgaben von Gemeinden sowie die Entwicklung und insbesondere die Schaffung von Wohlstand und Einkommen betreffen.

Zusammen mit der holländischen Verbraucher-Organisation Goede Waar & Co. diskutierte die WSPA die Entwicklung der ISO 26000. Im Jahr 2005 begannen die Gespräche. Fast 400 Experten aus 99 Ländern waren in die Gespräche über die neuen Standards integriert, und obwohl der Schwerpunkt ursprünglich auf der Verantwortung von Unternehmen lag, wurde beschlossen, die Standards auf alle Organisationsarten auszuweiten, so dass auch staatseigene Betriebe und Nicht-Regierungs-Organisationen mit einbezogen wurden.
„Die Arbeitsgruppe der ISO war sich einig darin, dass es sinnvoll ist, den Tierschutz als ein Element gesellschaftlicher Verantwortung aufzunehmen", so Kevin McKinley, stellvertretender Generalsekretär der ISO. „Das Thema des Tierschutzes ist ein relativ neuer Bereich in den ISO Standards. Durch die Zusammenarbeit mit vielen Experten aus verschiedensten Interessensgruppen haben wir einen abschließenden Konsens erreicht, der die tatsächliche Bandbreite und Bedeutung sozialer Verantwortung als Ganzes darstellt."
„Da der Tierschutz bislang noch nicht Teil der ISO-Bewertungen war, konnten Organisationen bisher behaupten, ihre gesellschaftliche Verantwortung nachzukommen, ohne dabei die Interessen der Tiere, die durch ihr Geschäftspraktiken beeinträchtigt wurden, zu berücksichtigen. Wir hoffen, dass andere Organisationen, die für die Erstellung von Richtlinien oder Standards verantwortlich sind – wie die IFC (International Finance Corporation) oder die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung OECD – es dem Vorbild der ISO gleichtun, und dem Tierschutz dem ihm zustehenden Platz als einen kritischem Aspekt gesellschaftlicher Verantwortung einräumen werden."