Namibische Seerobben: Lebendig nützen sie dem Land viel mehr

Sep 3, 2011

Seerobbenmutter mit ihrem Jungtier im Cape Cross Naturschutzgebiet. Dieses Mutter-Kind-Paar hat das morgendliche Schlachten überlebt.

Die umfangreiche Studie zur „Wirtschaftlichkeit von Seerobbenjagd und Seerobbenbeobachtung in Namibia“ wurde von Tierschutzorganisationen beauftragt. Sie zeigt, dass die Tiere lebendig dem Land viel mehr nützen, als tot.

Die Studie wurde von Economists at Large erstellt, einer australischen, unabhängigen Wirtschaftsberatung. Das Unternehmen wurde von der WSPA und den Organisationen Bont voor Dieren (BvD), Humane Society International (HSI) und Respect for Animals (RFA) beauftragt.

Der Bericht untersucht die Statistiken der Seerobbenjagd mit denen der Seerobbenbeobachtung. Es kam heraus, dass das jährliche Schlachten den Tourismus gefährdet. Dabei hat die Robbenjagd im Jahr 2008 nur 350.000 Euro erwirtschaftet. Die Beobachtungen dagegen haben im selben Jahr für Einnahmen von 1,4 Millionen Euro gesorgt.

Das Robbenbeobachten nimmt an Popularität zu. „Kein Preis ist hoch genug, um das Töten dieser harmlosen Tiere zu rechtfertigen“, kommentierte die WSPA-Botschafterin Leona Lewis die Studie. „Namibia hat den Touristen so viel Schönheit zu bieten. Wieso wird erlaubt, dass dieser brutale Brauch den Ruf den Landes ruiniert?“.

 

Der Vergleich überzeugt

Der Bericht vergleicht detailliert beide Industrien, deren Kosten und Einnahmen. Die Robbenbeobachtungen erwirtschaften 300 Prozent mehr Gewinn als die Fleischprodukte. Beim Analysieren der Jagd haben die Wirtschaftler herausgefunden, dass hauptsächlich Robbenbullen eine attraktive Beute sind: Deren Genitalien bringen auf asiatischen Märkten etwa 100 Euro pro Kilo. Sie werden für angebliche Liebestränke genutzt. Babyrobben werden allein für ihr Fell getötet und das bringt gerade mal vier Euro pro Stück.

 

Grausamkeit versus Schönheit

Etwa 200 Babyrobben werden jeden Morgen für die Pelzindustrie getötet – Tiere derselben Kolonie, die mittags von den Touristen besucht wird.

Das Beobachten der Tiere stellt eine bewährte Einkommensquelle dar. Zehn Prozent aller Touristen (das waren im Jahr 2008 etwa 100.000 Menschen) haben für das Naturschauspiel Geld gezahlt.

Aufgrund des aktuellen Wachstumstrends prognostiziert der Bericht eine Steigerung auf etwa 175.000 Touristen, bis zum Jahr 2016. Das würde einen Gewinn von etwa 2,3 Millionen Euro bedeuten. Außerdem profitieren andere Geschäftszweige von der Tourismusattraktion: Restaurants, Läden und Hotels würden mitverdienen.

 

Robbenschlachtung gefährdet Population

Das Ansehen Namibias kann unter der Berichterstattung über das brutale Töten leiden. Zudem bedroht die Jagd den viel lukrativeren Umwelttourismus. Doch was am schlimmsten ist: Ein Töten im großen Ausmaß könnte zu einem Kollaps der Populationen führen, so wie es 1990 bereits geschah.

Besonders makaber ist, dass die Beobachtung der Robben an den gleichen Orten stattfindet, an denen morgens getötet wird: Cape Cross, Atlas Bay und Wolf Bay. Während der Jagdsaison vom 1. Juli bis zum 15. November werden hunderte Babyrobben in der morgendlichen Dämmerung bis 8.00 Uhr am Cape Cross, einem „Robbenreservat“, zu Tode geprügelt. Um 10.00 Uhr früh öffnet der Strand und hunderte Touristen wollen die übrig gebliebenen Tiere sehen.

Die Jagd wurde absichtlich jahrelang vor den Touristen geheim gehalten. Doch mediale Berichterstattungen sorgen zunehmend für ein Bekanntwerden. Viele Touristen finden es geschmacklos, die zum Tode verurteilen Tiere in ihrem Urlaub zu besichtigen. Das ist eine verheerende Entwicklung für Namibias Umwelttourismus.

„Jedes Jahr werden bis zu 85.000 Babyrobben getötet. Dabei bringt deren Fell nur ein paar Dollar. Eco-Tourismus ist ein wachsender Teil von Namibias Identität. Touristen sind geschockt, wenn sie erfahren, dass eine Robbe, die sie eben noch fotografiert haben, am nächsten Morgen getötet werden könnte. Es wäre ein klarer, wirtschaftlicher Vorteil für die Regierung, die Tiere zu schützen“, sagt Claire Bass, Leiterin des Meeressäuger-Programms der WSPA.

Hier finden Sie den ausführlichen Bericht über "Die Wirtschaftlichkeit des Seerobbenjagens und des Beobachtens in Namibia"

 

Page tools:
Share Share, Bookmark, Email or Print

Connect with WSPA on:

FacebookTwitterYouTubeFlickr