Jedes Jahr sterben mehr als 55.000 Menschen weltweit an Tollwut. Darunter viele Kinder, die sich durch den Biss infizierter Hunde anstecken und anschließend nicht behandelt werden. Die Folgen der Tollwut für die menschliche Gesundheit sind noch heute verheerend. Aus diesem Grund hat die World Veterinary Association die Infektionskrankheit zum zentralen Thema für 2011 gemacht.
Im Kampf gegen die Tollwut töteten die balinesischen Behörden tausende Hunde mit dem Nervengift Strychnine, das Lähmungen, Krämpfe und einen schmerzhaften Tod nach sich zieht – trotz dem die Vergiftung der Tiere das Tollwut-Problem keinesfalls an seinen Wurzeln packt. International als effektivste Form der Tollwut-Prävention angesehen ist hingegen die Massenimpfung.
Gemeinsam mit seiner Partnerorganisation Bali Animal Welfare Association (BAWA) setzt sich die WSPA Welttierschutzgesellschaft für ein Ende der Massentötungen ein und fordert die humanere Alternative: Ein inselweites Impfprogramm. Wenige Tage vor dem Welttollwuttag hat die balinesische Regierung am 21. September 2010 einen Beschluss unterzeichnet, der die Massenimpfung von über 200.000 Hunden vorsieht.

Bis heute wurden mindestens 70 Prozent der auf Bali lebenden Hunde von den BAWA-Veterinären geimpft. Somit ist die entscheidende Immunitätsschwelle erreicht, um ein Wiederaufflammen der Tollwut zu verhindern.
Außerdem besucht ein Bildungsteam öffentliche Schulen und Dörfer, um die Menschen für artgerechte Hundehaltung und Tierschutz zu sensibilisieren und über die Wichtigkeit eines Tollwut-Impfprogramms zu informieren.
Jeder Hund erhält als Markierung ein orangefarbenes Halsband, nachdem er behandelt und geimpft wurde. Diese Halsbänder dienen der Erfassung der bereits versorgten Tiere. Nur so kann das BAWA-Team sicher gehen, dass es mindestens 70 Prozent der örtlichen Hundepopulation geimpft hat.
In jedem Dorf, in dem das BAWA-Team sein Impfprogramm durchführt, schließt es eine Vereinbarung mit den Bewohnern, dass keine Hunde mehr getötet werden. Außerdem rufen die Dorfbewohner die BAWA-Tierärzte, wenn sie einen verletzten Hund entdecken – und nicht die Regierung. Schnellstmöglich eilen die Ärzte dem kranken Tier zur Hilfe, um eine Verbreitung der Krankheit zu verhindern.

Viele Hunde auf Bali haben Besitzer und werden verpflegt, obwohl sie frei herum streunen und nicht im Zwinger leben oder angeleint sind. Zahlreiche Hundebesitzer konnten nur hilflos zusehen, wie ihre Tiere getötet wurden – sie kannten einfach keine Mittel, die Massentötung der Regierung zu stoppen.
„Die Menschen sind sehr glücklich, dass wir die Möglichkeit hatten zu helfen,” sagt Janice Girardi, Gründerin und Leiterin von BAWA. „Sie wollten nicht, dass ihre Hunde getötet werden – aber in ihrem Irrglauben, mit dieser Maßnahme die Tollwut ausrotten zu können, hat es die Regierung trotzdessen getan. Doch das ist einfach nicht wahr. Nur eine groß angelegte Impfkampagne wird die Tollwut stoppen können.”
Janice dankt den WSPA-Unterstützern von ganzem Herzen: „Ich bin überglücklich, dass die WSPA und ihre Förderer dieses Impfprogramm möglich gemacht haben.“

Aktuelle Statistiken vergleichen den Zeitraum zwischen dem 1. Dezember 2010 und dem 30. März 2011 mit dem des Vorjahres. Demnach gab es einen beachtlichen Rückgang der Tollwutfälle im vergangenen Jahr: Bei den Menschen um 48 Prozent und bei den balinesischen Hunden sogar um 70 Prozent.
Ray Mitchell, WSPA-Kampagnenleiter bestätigt: „Das ist eine enorme Leistung in der Tollwutbekämpfung auf Bali. Die Zahlen beweisen, dass unsere Vorgehensweise sowohl der menschlichen Gesundheit als auch dem Tierschutz dient.“
Dr. Elly Hiby, wissenschaftliche Beraterin der WSPA, dazu: „Veterinärwissenschaft, Tierschutz und menschliche Gesundheit stehen in enger Verbindung. In diesem Jahr wird mit dem Welttierärztetag das Bewusstsein der Menschen auf das Thema Tollwut gelenkt. Gleichermaßen senden die Tierärzte in Bali durch ihre erfolgreiche Arbeit eine wichtige Botschaft in die Welt: Die Massenimpfung von Hunden ist die humanste und effektivste Art der Tollwutbekämpfung und hilft, zahlreiche Leben zu retten – Menschen- und Hundeleben.“