
Im Nyaru-Menteng-Schutzzentrum der Borneo Orangutan Survival Foundation (BOS) werden verletzte, vom illegalen Tierhandel gerettete oder ausgehungerte Orang-Utans untergebracht.
Hier erhalten sie seelische und engagierte Hilfe zur Vorbereitung auf eine unabhängige Zukunft in den Regenwäldern, ihrem natürlichen Zuhause.
Die BOS-Stiftung betreut derzeit rund 1.000 traumatisierte Affen. Ihre Arbeit ist ein Wettlauf gegen die Zeit. Die Abholzung der Regenwälder, die Ausbreitung der Ölpalmplantagen sowie großflächige Waldbrände und der illegale Tierhandel stellen die größte Bedrohung für die Orang-Utans dar.
Medizinische Versorgung und Betreuung
Kommen die Orang-Utans im Rehabilitationszentrum an, sind sie meist unterernährt und/oder verletzt. Während einer zweiwöchigen Quarantänephase werden aufgenommene Tiere geimpft, nach Parasiten kontrolliert, vor Malaria geschützt und auf Hepatitis sowie Tuberkulose getestet. Diese Krankheiten werden oft vom Menschen auf die Tiere übertragen.
Beginn der Wiedereingliederung
Damit die Orang-Utans ihre Gesundheit zurückerlangen, werden erwachsene Tiere in einem Sozialisationsgehege aufgenommen. Hier können sie den friedvollen Umgang mit gleichaltrigen Artgenossen lernen.
Junge Affen werden in einem geschützten Terrain – vergleichbar mit einer Kinderbetreuungsstätte – einquartiert. Geschulte Mitarbeiter bringen ihnen hier die nötige emotionale Wärme und Geborgenheit entgegen.
Genesen und Lernen
In dieser Stufe der Sozialisierung werden die Orang-Utans in nahegelegene Waldgebiete gebracht, um ihre natürliche Nahrungsquelle kennenzulernen. So werden sie optimal auf ein Leben in Freiheit vorbereitet.
Menschenaffen, die als Haustiere gehalten wurden, haben nicht gelernt, selber nach Nahrung zu suchen. Sie würden unvorbereitet nicht in der Wildnis überleben.
Die Pflegerinnen und Pfleger der BOS Foundation bringen den Orang-Utan-Jungtieren bei, wie sie in ihrer natürlichen Umgebung gefahrlos klettern und Nahrung finden können. Orang-Utans sind Baumbewohner und bauen sich für ihre Nachtruhe ein Nest aus Blättern und Zweigen. Auch das müssen viele von ihnen erst lernen. Abhängig von Alter, Gesundheit und Persönlichkeit können diese Lernprozesse unterschiedlich lang dauern.
Als Kesi, ein verletztes Orang-Utan-Baby, in die BOS-Stiftung eingeliefert wurde, benötigte sie spezielle Hilfe. Sie verlor ihre Hand, als sie und ihre Mutter von Plantagenarbeitern mit Buschmessern angegriffen wurden. Ihre Mutter kam dabei um, doch Kesi konnte gerettet werden. Sie hat sich im Schutzzentrum erstaunlich gut entwickelt. Ihre Fortschritte zeigen, dass mit der richtigen Fürsorge auch Trauma überwunden werden können.

Orang-Utans sind intelligent. Sie fühlen wie wir Menschen, Glück, Angst und Wut. Sie leiden sogar häufig an Depressionen. Auch deshalb ist der sensible und geschulte Umgang ihnen so wichtig.
Für die Auswilderung der Orang-Utans werden die Regenwaldgebiete genau ausgewählt. Sie müssen immer noch durch die BOS-Stiftung überwachbar sein. Damit leistet BOS einen wichtigen Beitrag zum Schutz der Artenvielfalt.