
Kesi ist ein verwaistes Orang-Utan-Mädchen. Sie wird von der Borneo Orangutan Survival Foundation (BOS) betreut. Seit ihrer Rettung macht sie täglich Fortschritte. Bald soll sie in ein unabhängiges und selbstbestimmtes Leben zurückkehren. Meike, ihre Betreuerin, erzählt Kesis Geschichte:
„Der Name Kesi bedeutet: ein in schweren Zeiten geborenes Kind. Wenn Sie ihre Geschichte hören, werden Sie die Bedeutung des Namens verstehen.
Eines Abends brachte Eko ein kleines Bündel zum Nyaru-Menteng-Rehabilitationszentrum. Eko ist ein tierärztlicher Sanitäter. Im Bündel war ein kleines Orang-Utan-Mädchen, ungefähr drei Monate alt. Mit ihren weit geöffneten und intelligenten Augen sah sie uns an.
Wir sahen ihren linken Arm: Dort, wo normalerweise eine Hand ist, war nur noch ein Stumpf. Ich musste wegschauen. Ich konnte mir genau vorstellen, was passiert war. Denn Geschichten wie diese gibt es viele auf Nyaru Menteng:
Der Wald wird immer mehr gerodet. Dadurch wird die Nahrungssuche für Orang-Utans schwerer. Kesis Mutter begab sich deshalb in die Nähe von Dörfern. Sie war schwach vor Hunger. Deshalb konnte sie nicht klettern. Sie mußte laufen, mit Kesi auf dem Arm. Bauern griffen sie mit Buschmessern an und töteten die Affenmutter. Kesi, die sich fest an ihre Mutter klammerte, verlor dabei ihre Hand. Doch wenigstens blieb sie am Leben.
Bei uns war Kesi in Sicherheit. Doch wir stellten fest, dass sie Schwierigkeiten mit ihrem linken Fuß hatte. Eine lange Narbe, die wahrscheinlich vom gleichen Buschmesser, kam zum Vorschein. Wir hofften sehr, dass sie trotzdem irgendwann würde klettern können.“

„Seit jener Nacht macht Kesi großartige Fortschritte. Sie schafft es, allein auf kleinere Bäume zu klettern und nimmt auch schon ihren Vorderfuß zur Hilfe. Für den Abstieg benötigt sie allerdings noch Hilfe. Sollte ein Helfer nicht schnell genug bei ihr sein (diese haben meistens mehrere junge Orang-Utans an ihren Beinen hängen), fängt sie sofort an, so laut zu schreien, wie sie nur kann.
Obwohl Kesi nicht in der Lage ist, mit den anderen aus der Gruppe Schritt zu halten, bleibt sie ausdauernd. Sie versucht nach höheren Zweigen zu greifen, damit sie ihren Freunden folgen kann. Dabei gibt sie niemals auf. Selbst mit ihrem kaputten Arm passt sich Kesi der Umwelt an. Sie nutzt den Stumpf um Blätter zum Mund zu bewegen, wenn sie in den Bäumen hängt.
Kesi ist wirklich ein ‚Kind, geboren in schwierigen Zeiten’. Doch heute leben alle Orang-Utans in einer schwierigen Zeit. Wir Menschen sind es, die ihre Wälder zerstören. Die ihnen Nahrung und Sicherheit nehmen.“